O.M. 665 Superba
Wer sagt eigentlich, dass die Nockenwelle unbedingt nach oben gehört ? Diese Frage stellte sich schon der englische Veteranen-Papst Lord Montagu. In seinem Buch über gescheiterte Unternehmen der Automobilbranche schrieb er genau das über das italienische Automobilunternehmen O.M.
Die Abkürzung O.M. stand zwischen 1918 und 1928 für Officine Meccaniche. Aber 1933 wurde das Unternehmen von Fiat übernommen.
Die Firma baute anfangs Kutschen und ab 1899 stellte man Lokomotiven her. Der ebenfalls in Brescia angesiedelte Hersteller Brixia-Züst wurde einverleibt und man baute bis 1923 die Vierzylinder mit 25 bzw. 35 PS weiter.
Zu den Führungskräften gehörte auch der Veroneser Ingenieur Ottavio Fuscaldo. Da er sehr verbunden war mit der alten Denkweise, wollte er einen Sechszylinder fertigen, wo die Ventile an den Seiten lagen. Das war schon bei den ersten Automobilen so.
Der Motor wurde 1923 zuerst einmal in den Typ O.M. 665 mit 1991 cm³ eingebaut. Ab 1930 gab es dann Versionen zwischen 667 und 2220 cm³. Die Zahlenkombination 665 sollte Auskunft geben, dass es sich um einen Motor mit sechs Zylindern handelte und 65 Millimeter Bohrung hatte. Topmodel war der 665 Superba. Schaute man einmal unter die Motorhaube, blieb einem die Luft weg. Unter der langen Zagato-Karosserie war ein zusätzlicher Sitz versteckt. Er war aber sehr unbequem und der Mitreisende war voll und ganz den Gegebenheiten ausgeliefert.
Schaute man weiter hinein, fiel einem die Leere auf. Aber ganz tief unten versteckte sich der Seitenventiler und nach einiger Zeit sah er so aus wie ein verkohltes Toastbrot.
Obwohl die Denkansätze von Fuscaldo eher antik schienen, wusste er genau, was er tat.
Der relativ einfach konstruierte Motor wurde mit verschiedenen leistungssteigernden Maßnahmen verändert. Gewicht konnte zum Beispiel durch das Kurbelgehäuse gespart werden. Der Grauguß-Zylinderkopf konnte herausgenommen werden, was für damalige Zeit eher ungewöhnlich war.
Um die Füllung der Brennräume zu steigern, baute man einen Kompressor ein, der auf der Kurbelwelle hockte. Diese drehte sich in drei verschiedenen Lagern. Um das mittlere der drei besser kühlen zu können, wurde es mit Wasser umspült. Eine Wasserpumpe, die viel Power brauchte, wurde durch eine Thermosyphon-Kühlung ersetzt.
Im Ergebnis konnten sich die Konstrukteure über 80 PS Leistung freuen. Schon bei der Leerlaufdrehzahl konnte man die Kraft spüren. Das Gaspedal lag mittig angeordnet und aktivierte die Motorkraft. Das Getriebe hatte vier Gänge und konnte das 825 Kilogramm schwere Gefährt zu guten Fahrleistungen antreiben. Aber leider konnten die Starrachsen die vier Speichenräder nicht immer zeitgleich auf der Straße halten.
Aber trotz der Mängel und Schwierigkeiten konnte sich das Team Superba bei der 1018 Meilen langen Riesenrunde durchsetzen. Am 26. und 27. März 1927 gewann das Auto innerhalb von 21 Stunden das Rennen und das bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 77,3 km/h.
Um das Ganze noch abzurunden, konnten auch der zweite und dritte Rang von O.M. Modellen belegt werden. Bis heute ist die Startnummer 1 für einen O.M. 665 Superba auf der Rennstrecke Mille Miglia Storcia reserviert.
Und genau darum ist die Frage von Lord Montagu berechtigt.