Mercedes Simplex
Im Jahr 1903 schrieb einmal ein damals bekannter Autor, dass die Ästhetik des Automobils noch in den Kinderschuhen steckt. Recht hat er in dem Sinne, dass die Autobauer von damals noch viel zu sehr das Pferd mit dem Wagen dahinter im Blicke hatten. Der Wagen soll aber aussehen wie eine Maschine und schön sein dazu. Aber die Denkweisen damals waren noch nicht soweit und so musste alles erst langsam wachsen.
Eigentlich hatte sich zu der Zeit schon das Auto durchgesetzt. Der Mercedes Simplex zum Beispiel wurde so benannt, weil er leicht zu bedienen war. Aber alles angefangen hat es mit dem Daimler Sport- und Tourenwagen mit 35 PS. Damals hatte der Generalkonsul in Nizza eine Bestellung über 36 Fahrzeuge bei Wilhelm Maybach gemacht. Nach dem Tod von Gottlieb Daimler hatte dieser die alleinige technische Verantwortung. Der Kunde wollte ein schönes, leichtes Auto und vor allen Dingen schnelles Auto haben.
Im März 1901 war es dann endlich soweit. Ein in weiß strahlender Wagen kam daher. Er entsprach allen Anforderungen. Der Rahmen war gepresst und 25 Prozent leichter wie die bisherigen Teile aus Holz und Winkeleisen. Der viersitzige Wagen wog nur 350 Kilogramm und hatte einen Hubraum von 5,9 Litern. Dieser bildete mit dem Kopf und jeweils zwei Zylindern eine Einheit. Der Bienenwabenkühler lag vor der Vorderachse. Die fast 9000 eckigen Röhrchen konnten es erlauben, dass man ohne Hitzeprobleme immer mehr Pferdestärken herauskitzeln konnte. Auch die Menge an Kühlwasser konnte drastisch auf 9 Liter gesenkt werden. Das Wasser wurde mittels eines Spritzdüsenvergasers verteilt. Das Vierganggetriebe hatte eine Kulissenschaltung.
Mit den durchschnittlichen 51 km/h ließ der Pilot Wilhelm Werner alle Konkurrenten hinter sich und ein neues Zeitalter wurde eingeläutet. Kurz darauf wurde ein neuer Rekord gemacht. Die Promenade des Anglais wurde mit 86,1 km/h „überflogen“. Nun konnten auch die Snobs über ein neues Thema reden und hatten auch gleich einen neues Wunschauto. Jellinek, der das Auto in Auftrag gegeben hatte, ließ es sich nicht nehmen, den Namen seiner Tochter Mercedes auch gleich als Namen für den Wagen zu nehmen.
Zwischen 1902 und 1910 wurden Simplex-Modelle zwischen 28 und 60 PS gebaut. Der Hubraum reichte dabei von 5315 cm³ und 9235 cm³. Die verschiedensten Radstände und Aufbauten waren möglich. Weltweit wurde die Marke mit dem Stern bekannt.
Das fünfte gebaute Modell wurden an den Millionär William K Vanderbilt im März 1902 übergeben. Er setzte sich in den Wagen und machte sich mit seinen 40 PS Wagen auf den Weg nach Paris. Er konnte abermals den fliegenden Kilometer mit 111,8 km/h durchfahren. Besondere Merkmale des Mercedes Simplex waren die gestreckte Form, der relativ niedrige Schwerpunkt und das leichte Gewicht. Durch den nur 185 Kilogramm wiegenden Motor konnte das Gesamtgewicht auf 1000 Kilogramm gesenkt werden.
Aber Wilhelm Maybach stellte sich nun selber die Frage, ob überhaupt noch etwas in der Autowelt verändert werden könnte.