Alfa Romeo RL
Zuerst gab es einen Motor. Laut den Bestimmungen der Grand-Prix-Formel von Indianapolis. Dieser hatte einen drei Liter großen Hubraum und war ein Sechszylinder. Giuseppe Merosi hatte den Motor entworfen.
Aber leider kam alles anders. Die Motorsport-Legislative AIACR legte fest, dass das Volumen in der Premium-Klasse maximal auf zwei Liter beschränkt war. Diese Regelung gilt von 1922 bis 1926.
Das in Mailand ansässige Unternehmen wollte aber nicht auf das Merosis Stoßstangen-Triebwerk verzichten und formte es in eine sanftere Version um. Der Tipo RL wurde offiziell am 13. Oktober 1921 in der Ausstellung von Alfa in Mailand vorgestellt.
Dem Wagen war es möglich, Ruhm der Firma auf der ganzen Welt zu verbreiten. Er hatte einen Radstand 3440 mm, 2916 cm³ und 56 PS. Dadurch kam er auf eine Höchstgeschwindigkeit von 109 km/h. Die Rennversion des RLS hat 3140 mm Radstand, 2996 cm³, 71 PS und zwei Vergaser. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h.
Die wahren Kenner der Marke erkennen die N-Version an dem glatten Kühler und die S-Version am gespitzten Kühler.
Gemeinsam haben die Modelle das verblockte Vierganggetriebe und den zentralen Gangwechsel auf der rechten Seite. Die ersten Modelle konnte man nur an den Hinterrädern bremsen, aber ab der dritten Serie ab September 1923 auch vorne.
Die Werbetexter beflügelten den Verkauf noch durch ihre Worte. Man feierte sich selber als feinsten Sportwagen der Welt. Nicht zuletzt konnten die zahlreichen Sporterfolge dazu beitragen.
Ab der sechsten Serie hielt sich der Jubel kaum noch in Grenzen. Ab dem Jahr 1925 kam eine bürgerliche Version auf den Markt. Das Fahrgestell war etwas länger und hatte einen größeren Motor, der fünf PS mehr hatte. Dadurch waren zuletzt 83 PS möglich und man konnte sich an dem zeitgenössischen Bentley messen.
Durch den dazugewonnenen Fortschritt bekam der Wagen auch einen neuen Namen. Der RLN wurde RLT für Turismo und der RLS zum SS für Super Sport. Die Kurbelgehäuse wurden aus Aluminium gefertigt. Die Zunahme an Kraft konnte man der steileren Nockenwelle zusprechen. Zu den Pedalen für Bremse und Kupplung kam noch ein weiteres. Dieses solle den Vergaser von Solex oder Zenith betätigen.
Den Wagen startete man, indem man zuerst den Pumpendruck des 72-Liter-Tanks erhöhte. Bei laufendem Motor konnte dann durch die Nockenwelle angetriebene Pumpe den Treibstoff zuführen.
Man hatte nur gute Meinungen von dem Wagen. Die Fahrer des Autos waren begeistert und regelrecht euphorisch. Auch Benito Mussolini war ein Kunde des SS.
Obwohl man eine große Auswahl an verschiedenen Aufbauten hatte, hielten sich die Stückzahlen überschaubar. Insgesamt wurden 2631 Stück des RL gebaut.
Enzo Ferrari konnte 1923 mit dem TF ein Rundstreckenrennen in Savio gewinnen. Die Eltern des damals schon toten Kampffliegers Francesco Baracca, waren so begeistert von dem Wagen, dass dessen Emblem weitergaben – ein tanzendes Pferd.